Menü StadtLandFluss-Geschichten
Zurück Zurück
0
0
1
…und wozu braucht man Dozenten?
„Die Aufgabe des Lehrenden ist, eine Situation zu schaffen, die dieses handlungs- orientierte Lernen überhaupt ermöglicht.“

Es geht um Rollenwechsel

All dies klingt ja, als könnte man auf den Lehrenden verzichten. Diese Aussage ist nicht einmal ganz falsch: konstruktivistisches Lernen wird immer vom Lernenden „gemacht“, es geht schlichtweg nicht anders. Die Aufgabe des Lehrenden ist, eine Situation zu schaffen, die dieses handlungsorientierte Lernen überhaupt ermöglicht. Dies ist nicht so einfach, wie es vielleicht klingt, denn in Zeiten von PISA und Bologna sind die ehrwürdigen Ideen eines emanzipierten, selbstbestimmten Lernens in Gefahr unter die Räder zu geraten – so scheint es. Denn all diese Gedanken sind ja weder unser exklusives Gedankengut noch sind sie neu. Im Gegenteil: Die so Reformpädagogik mit ihren Wurzeln weit zurück im 19. Jahrhundert hat in ihren verschiedenen Ausprägungen ganz ähnliche Konzepte ausgearbeitet. Lernen mit „Hirn, Herz und Hand“ (Johann Heinrich Pestalozzi, 1746 – 1827) in einer modernen Hochschule zu ermöglichen, also in einer immer stärker auf Effizienz getrimmten und durchoperationalisierten Lehr- und Lerninstitution, das ist die erste Aufgabe, der wir uns in der Projektlehre widmen müssen.

Und: Natürlich ist der Job der Dozenten in einer solchen Didaktik mehr als nur ein beliebiges Problem zu formulieren und die Lernenden danach sich selbst zu überlassen. Genauso geht es darum ansprechbar zu bleiben, auf fachliche Fragen zu antworten (wenn sie gestellt werden), nach den fachlichen Fragen zu fragen (wenn sie nicht gestellt werden) und notfalls auch einzugreifen, wenn die Dinge gar nicht ins Laufen kommen – oder in die falsche Richtung. Hierbei werden wir eben von dem Instrumentarium unterstützt, das die Studierenden in den Veranstaltungen zum Projektmanagement kennenlernen. Hierunter befinden sich Dinge, die man in einem akademischen Studium allesamt als böhmische Dörfer verstehen würde. Mehr noch: man könnte dort gar nichts mit ihnen anfangen – außer vielleicht, sie als neuen Lehrbuchlernstoff zu definieren. Ohne ein lebendes Projekt sind sie sinnlos, die LoP-Listen (LoP = Liste Offener Punkte), Projektstrukturpläne, Zielkonfliktmatrizen, Vorgangslisten, Statusberichte, Pflichtenhefte, Gantt Diagramme, Netzpläne…

Das Rollenverständnis der Dozenten verändert sich dabei allerdings von einem fontal Vorlesungen abhaltenden Professor als akademische Respektsperson hin zu einer merkwürdigen Mischung aus Auftraggeber und Coach (und manchmal Controller), der an der Arbeit der Teams in jeder Hinsicht partizipiert.

Lohnt sich das…?

Ja. Wir meinen, es lohnt sich, denn das viele Fachwissen, das ansonsten oftmals durch mühseligen Drill zu erwerben und danach im Hinterkopf zu parken ist, bevor man es in einer geschützten Laborumgebung vorsichtig ausprobieren darf, bekommt im Kontext eines realistischen Projekts plötzlich Substanz, Relevanz und Sinn. Da liegt der didaktische Hund letztlich begraben: Inhalte, die man braucht, um bestimmte Probleme zu lösen oder Ziele zu erreichen sind immer (handlungs)relevant. Und unser Gehirn liebt relevante Informationen, wenn es welche findet, und es lernt sie – übrigens genauso leicht, wie es Irrelevantes vergisst. Ist das Ziel obendrein noch ein selbst gesetztes und das Handeln und die Zusammenarbeit selbst gesteuert und nicht einfach eine von außen auferlegte Pflichtaufgabe,  sind auch die motivationalen Bedingungen optimal. Das bedeutet vor allem eines: Es macht Spaß – so hoffen wir jedenfalls.