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Konstruktivistisches Lernen
„Es geht also um die Fähigkeit sich selbst zu helfen oder um konstruktivistisches Lernen.“

Die Grundidee

Unsere Projekt-Teams denken und handeln also wie Agenturen oder Dienstleister. Sie setzen sich selbst Ziele, die sie innerhalb einer exakt begrenzten Zeit mit ebenso exakt begrenzten Ressourcen erreichen können, und verhandeln diese Ziele dann mit ihrem Auftraggeber. Die Tatsache, dass man als Studentin oder Student am Anfang in der Regel ja nur über ein begrenztes Fachwissen verfügt, macht diese Aufgabe übrigens nicht gerade leichter. Man muss sich also nicht nur als fachliche/r Expertin und Experte gewissermaßen selbst erfinden (den richtigen „Stoff“ finden und lernen), sondern auch als Planerin und Planer und obendrein als Mitglied eines Teams mit einer bestimmten fachlichen Rolle.

Wir wissen natürlich, dass all dies nicht einfach ist, denn die grob hinskizzierte Idee eines Auftraggebers gleichsam zu konkretisieren und dann noch umzusetzen und zwischendrin immer wieder abzustimmen, das ist in verschiedener Hinsicht viel anstrengender als ein Buch zu lesen, die Inhalte bei Bedarf wiederzugeben und sich eine Note abzuholen. Es ist auch riskanter: Man weiß ja zunächst gar nicht genau, was erwartet wird – völlig anders als man das von der Schule gewöhnt ist. Und vielleicht stellt man sogar irgendwann zur eigenen Irritation fest, dass der Auftraggeber obendrein noch zu erwarten scheint, dass man die abzugebenden Dokumente und Leistungen (die Heiligen Kühe der Schuldidaktik) selbst mitdefiniert!

Was wird dabei eigentlich gelernt?

Doch wir machen das nicht ganz ohne Methode, denn in den Projekten werden nicht bestimmte vorab definierte Ergebnisse erwartet, es gibt keinen in irgendeiner Modulbeschreibung betonierten Themenkanon und kein fixes „Lernpensum“. Stattdessen sollen an zunehmend anspruchsvoller werdenden Aufgabenstellungen Vorgehensweisen – man könnte auch altmodisch sagen: Tugenden – trainiert werden, die man wir als universelle Hilfsmittel zur Erreichung von Zielen bzw. Durchführung von Projekten verstehen. Das ist sehr viel konkreter als es klingt, z.B…

  • … Sorgfalt und Systematik beim Erstellen von Konzepten,
  • … Gründliches Recherchieren von Wissen,
  • … Dokumentieren von Anforderungen im richtigen Maß,
  • … Planen von Vorgehensweisen und Aufgaben,
  • … Kontrolliertes Abarbeiten der Teilaufgaben,
  • … gegebenenfalls Anpassen der Planung (unter Umständen sogar der Ziele),
  • … Überwachen des Ressourcenverbrauchs,
  • … immer wieder Abstimmung mit dem Auftraggeber,
  • … Publlizieren und Präsentieren der Ergebnisse.

Es geht also um die Fähigkeit sich selbst zu helfen oder (um es mit einem passenden Fremdwort zu sagen) um konstruktivistisches Lernen.

Erfolg, Misserfolg, Planungen und Ziele

Bei hoch ambitionierten Projekten wie StadtLandFluss-Geschichten ist natürlich der Erfolg nicht notwendigerweise und gesetzmäßig in vollem Umfang garantiert. Es ist möglich, dass geplante Vorhaben z.B. wegen unvorhergesehener technischer und administrativer Hürden auf der Zielgeraden aufgegeben werden. Das ist dann sicherlich schade. Aber gerade diese ungeplanten und eigentlich unplanbaren Situationen ermöglichen es, Strategien und Fertigkeiten zu entwickeln, die im Leben lebenswichtig sind. Wie kann man sich das vorstellen? Projektgruppe müssen (a) rechtzeitig bemerken, dass Ziele nicht erreicht werden, dies (b) an den Auftraggeber kommunizieren und die Situation (c) durch eine neu verhandelte Formulierung der Anforderungen und Zielsetzungen des Projekts auflösen. Das ursprüngliche Vorhaben wird in diesen Fällen vielleicht nicht erreicht, das Lernziel, solche Situationen in eigener Verantwortung kooperativ bewältigen und organisieren zu können aber schon. In Zeiten, wo von hochbezahlten Profis reihenweise Milliardenprojekte mit jahrelangem Planungsvorlauf knirschend in den Sand gesetzt werden, würde man sich vielleicht wünschen, dass in Hochschulen mehr solche Erfahrungen vermittelt werden.

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